Platte der Woche

Coverbild: 
KW 19 04.05. - 10.05.2026

Musick

Artist: 
Laibach
Erschienen: 
01.05.2026
Label: 
Mute/[PIAS]

Das slowenische Kollektiv Laibach veröffentlichte letzte Woche das erste Studioalbum mit eigenem Material seit "Spectre" aus dem Jahr 2014. Auf „MUSICK“, würdigen Laibach die Gegenwart der verzerrten Realität und grellen KI-Nachahmung derselben und kritisieren sie gleichzeitig auf spielerische, hyperaffirmative Weise mit einer Sammlung unbestreitbar eingängiger Pop-Songs, die sich an der hypergetriebenen Postmoderne erfreuen. Im Titel des Albums, "MUSICK", ist der Schlüssel zu dieser Dualität bereits enthalten. Er spricht von Übersättigung, von einer Überdrüssigkeit, kurz: der Sickness, die einen gegenüber der Musik ereilen kann in einer Zeit, in der es so viel davon gibt, dass wir uns kaum noch darauf einlassen können. Täglich werden über 100.000 neue Titel online gestellt, und immer mehr Songs sind KI-Kreationen, digitaler Müll. Wie so vieles im heutigen Leben lässt uns schon das einfache Hören von Musik die Realität hinterfragen. „MUSICK“ thematisiert diese Überdrüssigkeit durch seine sich ständig verändernden Klänge und Referenzpunkte, aber es thematisiert auch eine andere Art von Krankheit: eine pathologische Hingabe an die Musik – „eine Obsession, eine Art Droge“ –, die Laibach in dieser Ära der Übersättigung trotz allem weiterhin antreibt.

Der Album-Release begann mit der Single-Auskopplung „Allgorhythm“, bei der die ghanaische Sängerin Wiyaala mitwirkt. Der Titel wurde von Pop-Powerhouse Richard X (bekannt u.a. für seine Arbeit mit Sugababes, Goldfrapp, New Order und Kelis) co-produziert und wird von einem heiteren Video begleitet, in dem Laibachs berühmter Frontmann und Wiyaala zu sehen sind - und das natürlich unser aller Algorithmen in die bestmögliche Richtung lenken soll. Dieser Vorgeschmack auf das Album ist ein durchaus gewagtes Mash-Up elektronischer Pop-Tropen, Hooks und Beats. Sowohl inhaltlich als auch formal setzt das Stück die manipulative Natur von Algorithmen geschickt mit der von Musik selbst gleich – beides sind gewissermaßen Zauberkräften, denen wir uns unterworfen sehen. Die Hinwendung Laibachs Richtung Pop erregte kürzlich nicht zuletzt die Aufmerksamkeit des slowenischen Staatsfernsehens RTV, das „Allgorhythm“ als potenziellen offiziellen Beitrag für den Eurovision Song Contest 2026 auswählte, bevor sich RTV Ende letzten Jahres aus dem Wettbewerb zurückzog.

Die Gruppe verfolgte bei der Produktion des Albums in ihrem Studio in Ljubljana einen hörbar maximalistischen Ansatz. Laibach umgaben sich mit so ziemlich allen Musikinstrumenten, die sie
auftreiben konnten, von analogen Synthesizern über Spielzeug bis hin zu Computern, die mit Sound-Apps vollgestopft waren. Zudem luden sie eine Reihe an Gastmusiker*innen aus Slowenien und
anderen Ländern ein, darunter ihre langjährige Weggefährtin Donna Marina Mårtensson und den legendäre Elektropop-Produzent Richard X. Vor allem aber tauchten sie ein in ein breites Spektrum
zeitgenössischer Sounds, von K-Pop und J-Pop bis hin 90er Jahre-Eurodance.
“However our primary influence and reference point remained Laibach itself,” erläutern Laibach. “In all our shades, variations, and historical transformations.” Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass
„MUSICK“ durch und durch poppig, aber nicht weniger durch und durch Laibach ist.

Tracklist: 
01Musick
02Fluid Emancipation
03SIngularity
04Resistencia
05Love Machine
06Luigi Mangione
07Keep It Real
08Yes Maybe No
09Allgorhythm
10Das göttliche Kind
Tourdates: 
18.05.2026AT-Graz, Orpheum
19.05.2026Schorndorf, Manufaktur
20.05.2026Köln, Essigfabrik
02.06.2026Leipzig, Täubchenthal
03.06.2026München, Muffathalle
04.06.2026AT-Klagenfurt, Burghof

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