Über die politische Mitte

Du sitzt im Wagen, der Spurhalteassistent vibriert sanft im Performance-Lenkrad, während der Scheibenwischer den Feinstaub der Spätmoderne über die Windschutzscheibe schmiert. Aus den HiFi-Boxen plätschert der sakrosankte, sterile Einheitsbrei der Berliner Republik: Rente ab 63, Mikromanagement, Bürokratieabbau und die verzagte Sehnsucht nach einem haushaltspolitischen Wunder. Es ist der verblassende, leicht larmoyante Sound einer erschöpften Mittelstands-Agonie – das späte Stadium einer gescheiterten Ehe, in der längst alle Pointen, Enttäuschungen und Reformversprechen verbraucht sind. Man bleibt zusammen, weil die Alternative der Kältetod im politischen Raum wäre.

Doch während der Staatsapparat im Konsenszwang erstarrt, ist draußen die Hegemonie der Mitte zerschmettert worden.

Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt ist ein brutaler, kulturpolitischer Offenbarungseid: 43,8 Prozent für die AfD. Die einst stolzen Volksparteien – jene großen bürgerlichen Sammlungszelte der alten Republik – sind von innen heraus entkernt. Sie haben dynamische Zukunftsnarrative gegen ängstliche Kompromissarchitekturen getauscht. Und wenn sich selbst die Linke staatstragend anbietet, um das System um jeden Preis zu stützen, reagiert der Bürger nicht mehr mit Einsicht, sondern mit dem physischen Druck auf den einzigen verbliebenen roten Wut-Knopf. Das ist kein Zufall, sondern die Quittung für eine Berliner Nanny-Politik, die Straßen, Schienen und das Leistungsversprechen verfallen lässt, um Notmilliarden in vagen Haushaltstöpfen versickern zu lassen.

Steht die Union vor der endgültigen Pulverisierung unter die 15-Prozent-Marke? Erleben wir die Agonie der Volksparteien in Form von absurden Wechselmehrheiten, Kanzlertausch-Spielen und verzweifelter Machtarithmetik? Und wo bleibt der intellektuelle Mut zu einer echten, performanten Vision, die den Bürgern dient, statt sie mit betreutem Denken zu zermürben?

Franz Kalmbach zieht in seiner Kolumne für FreeFM die anatomische Seziermaske auf. Mit stilistischer Härte, treffsicherer Schärfe und ohne jede Betroffenheitsrhetorik legt er das Versagen der Berliner Spielchen offen – und stellt die fundamentale Frage, wie Politik wieder Raum für echte Sicherheit, Dynamik und Freiheit, und schließlich wieder ein überzeugendes Narrativ schafft.

Jetzt reinhören- Für alle, die der kollektiven Orientierungslosigkeit zumindest etwas entgegensetzen wollen!

Sendedatum

25. Sep 2026 | 13:30