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Freunde reden Tacheles

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„Freunde reden Tacheles“, das sind Christoph Niedt und Martin Gaiser. Die Sendung existiert seit Sommer 1996 und ist somit wohl mit die älteste auf diesem famosen Sender. Der Schwerpunkt der Sendung liegt auf Literatur, wobei es hauptsächlich um das Vorstellen aktueller Romane und Erzählungen geht. Innerhalb dieses Spektrums gibt es noch einmal einen deutlichen Fokus auf das Spannungsgenre, also Thriller und Krimis. Neben diesen Rezensionen widmen sich die zwei Redakteure dann und wann auch ausführlich einzelnen Autoren oder Verlagen, die in Sondersendungen porträtiert werden. In Einzelfällen werden dazu die Autoren oder Verleger interviewt. Christoph Niedt und Martin Gaiser werten ihre live gesendete Radioshow auf gewohnt hohem Niveau mit Radio free FM kompatibler Musik – meist Gitarre, ein wenig Elektronik - auf.

Ausgezeichnet mit dem Radio free FM Award 2008 – Goldenes Radio

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Freunde reden Tacheles - Die Sendung vom 12. Februar 2021

Christof und ich haben den "Dorfroman" von Christoph Peters besprochen.

In Christoph Peters‘ aktuellem Buch geht es einerseits um ein Dorf, um das Leben und Aufwachsen in einem Dorf am Niederrhein in den 70er Jahren, andererseits geht es aber auch um ‚das ganze Leben‘. Er erzählt – wahrscheinlich deutlich autobiographisch – von einem Jungen aus Hülkendonck, der in eine stark von katholischer Kirche und dominanter Landwirtschaft geprägte Gesellschaft hineinwächst. Das soziale Leben spielt sich primär in der Familie, im Haus ab, Verwandte werden besucht, kirchliche Feste geben den Ablauf vor, sowohl des Sonntages, als auch unterjährig. Zu Beginn des Buches nutzt Peters eine kindlich-naive Sprache, eine Sprache, die Neugier verrät, die zeigt, dass sich hier ein kindliches Bewusstsein entwickelt, das ahnt, dass es da draußen, außerhalb der schützenden Hülle des Elternhauses mehr geben muss. Und es gibt eine Menge da draußen. Konkret: die Planung des sog. ‚Schnellen Brüters‘, eines neuen Typs Kernkraftwerk, der in Kalkar gebaut werden soll. Dieses Vorhaben, das die gesamte Region am Niederrhein verändern wird, hat das Potenzial, die Gesellschaft, das Dorf, die Familien zu spalten. Die Anti-AKW-Bewegung in Deutschland hatte auch dort großen Zulauf und so ist es kein Wunder, dass der Ich-Erzähler in Peters‘ „Dorfroman“ sich damit beschäftigt. Ohnedies sehr an der Natur interessiert, er sieht im Fernsehen, das immer wieder leider nur ‚Schnee‘ zeigt, weil der Empfang zu jener Zeit eben nicht immer gut war, die Sendungen von Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek, und angeregt durch seinen Biologielehrer, einen leidenschaftlichen Entomologen, beginnt er, sich mit Schmetterlingen zu beschäftigen und legt eine kleine Sammlung an. Mit 15 Jahren dann ist es soweit: er sucht den Kontakt zu den Protestierenden, jungen Leuten aus der Region und aus den angrenzenden Niederlanden, die von einem der Großbauern ein Stück Land mit einem Melkstall überlassen bekommen haben. Besagter Bauer ist gegen das neue Kraftwerk, die Spaltung in Hülkendock nimmt Fahrt auf. Aber nicht nur die. Auch die Pubertät nimmt Anlauf und der junge Protagonist verliebt sich heftig in die einige Jahre ältere Juliane, eine Frau mit starker Ausstrahlung und traumatischer Kindheit. Ihre Stimmungsschwankungen, die ihn irritieren, die er aber zu verdrängen versucht, weil er meist damit zufrieden ist, in ihrer Nähe zu sein, kann er nicht recht einordnen. Christoph Peters beschreibt diese junge Frau sehr intensiv, es scheint fast so, als – siehe oben – habe er sie gekannt, als gäbe es für sie ein reales Vorbild.

Die Spannungen zuhause nehmen zu, seine Schulnoten werden schlechter (was vor allem seine Mutter, die Lehrerin ist, heftig bemängelt). Er ist immer seltener zuhause, vernachlässigt seine Pflichten und auch sein Hobby. Diese erste Liebe, die eben nicht die Chance hat, sich in vertrauter Umgebung zu entwickeln, sondern die in der extremen Stimmung des Protestcamps permanenten Unterbrechungen und Prüfungen ausgesetzt ist, beschäftigt den Erzähler noch für lange Zeit. Hier nun kommt eine weitere Erzählebene und Erzählzeit in’s Spiel: Peters beschreibt einen in Berlin lebenden Mann, der seine alten Eltern in Hülkendonck besucht. Der Junge von einst ist nun der Beobachter und Chronist der Veränderungen. Er macht sich Gedanken über den gesundheitlichen Zustand seiner Eltern, findet in seinem ehemaligen Jugendzimmer Gegenstände von damals, Gegenstände die gleich der Proust’schen Madeleine eine Welt voller Erinnerungen hochspülen.

„Dorfroman“ ist ein auf vielen Ebenen beeindruckender Roman, vielleicht ist es angebracht, hier von einem Epochenroman zu sprechen, denn der Autor vermag es, viele Aspekte aus mehr als 40 Jahren bundesrepublikanischer Zeit enorm detailreich zu erzählen, ohne allzu sehr abzuschweifen. Natürlich ist das Buch ein Entwicklungsroman, der die Verwirrungen des Jungen eindrucksvoll zeigt, er ist ein Politroman, der das gesellschaftliche Leben, die Macht der Kirche, die dörfliche Enge und das Ausbrechen und Protestieren brillant wiedergibt. Das Buch wird nie gefühlig oder nostalgisch, der Autor umgeht all die Fallen, die das Abdriften in ein Schwelgen in Produkte und TV-Sendungen jener Zeit bieten, bravourös. Stattdessen zeigt er, wie es wirklich war, wenn eine Mutter dreier Kinder, versuchte, allen mit ihren je nach Alter unterschiedlichen Wünschen gerecht zu werden, indem sie einerseits eine Märchenplatte auf der Musiktruhe abspielte, andererseits aber auch den Streitereien der Jungs Raum gab, die Cowboy und Indianer mit Kunststofffiguren spielten. Der Herr des Hauses war derweil bei Versammlungen, in denen über den Verkauf des Landes in Kircheneigentum diskutiert wurde. Daraus sollte dann das Grundstück werden, das die sog. Brütergesellschaft für den Bau des Kraftwerks benötigt. Familienleben in den 70ern.

Das Ende des über 400-seitigen Buches zeigt wieder die Gegenwart, in der sich der abfahrbereite Sohn Gedanken darüber macht, wie lange sich seine Eltern wohl noch ohne eine Pflegerin aus Polen alleine in ihrem Haus mit Garten versorgen können und was nun eigentlich seine Heimat ist. Ein melancholischer Blick zurück.

Christoph Peters: Dorfroman; Luchterhand 2020, 412 Seiten, € 22.-

25 Jahre Freunde reden Tacheles, Teil II - Die Sendung vom 28.8. 2020

Liebe Freundinnen und Freunde, hier die Liste der Autorinnen und Autoren bzw. Bücher, die wir in unserem zweiten Teil der Best of-25 Jahre Freunde reden Tacheles-Sendung erwähnt/vorgestellt haben:

Markus Werner - Zündels Abgang

Javier Marías - Während die Frauen schlafen (auch: Dein Gesicht morgen, Mein Herz so weiß)

Jan Peter Bremer - Der amerikanische Investor

William Gaddis - JR

James Joyce - Ulysses

Jean Echenoz - 14

Wolfgang Herrndorf - Tschick

Véronique Bizot - Meine Krönung

Robert Brack - Kalte Abreise (auch: St. Pauli-Trilogie)

Wolf Haas - Das ewige Leben

Heinrich Steinfest - Batmans Schönheit

Fred Vargas - Das barmherzige Fallbeil

Takis Würger - Der Club (auch: Stella)

Jonathan Franzen - Freiheit

Max Goldt

Susanne Neuffer - Im Schuppen ein Mann

John Williams - Stoner (auch: Butchers's Crossing)

...aus Zeitgründen leider nur noch namentlich erwähnt wurden: A.F.Th. van der Heijden, Thomas Bernhard, Jean-Philippe Toussaint.

25 Jahre Freunde reden Tacheles, Teil 2

Liebe Freundinnen und Freunde der unterhaltsamen guten Literatur. Am 28.8. wird es unseren zweiten Teil der Best of ever-Serie geben. Wir werden Bücher und Autorinnen und Autoren vorstellen, die uns beeindruckt, verzaubert, erfreut und sprachlos gemacht haben. Zwei Stunden voller Zitate, Ausschnitte, Infos - hört rein.

25 Jahre Freunde reden Tacheles - Die Sendung vom 31. Juli 2020

Liebe Freundinnen und Freunde.

Nach einem ungewöhnlich holprigen Anfang haben wir es dann doch noch geschafft, am 31. Juli unsere Sendung zum 25jährigen Bestehen des Senders und unserer Sendung zu machen. Hier in der Reihenfolge unserer Besprechungen bzw. eher Vorstellungen die Autoren der Sendung:

Jörg Fauser

Franz Dobler (Hörbuchauszug aus "Tollwut")

Christian Kracht (Hörbuchauszug aus "Die Toten)

Kevin Barry: Dunkle Stadt Bohane

Cormac McCarthy (Hörbuchauszug aus "Kein Land für alte Männer")

Ralf Rothmann (Gedichtlesung "Wasser")

Jakob Arjouni (Hörbuchauszug aus "Chez Max")

David Vann (Hörbuchauszug aus ("Im Namen des Vaters")

Tom Franklin

James Lee Burke (Hörbuchauszug aus "Regengötter)

Charles Bukowski

Ross Thomas : Die im Dunkeln

Martin Amis: Nighttrain

Ulrich Ritzel

Christoph Peters

Jan Costin Wagner (Hörbuchauszug aus "Tage des letzten Schnees")

Helmut Krausser

Clemens Meyer

Ludwig Fels

Reihe "Die tollen Hefte"

Bov Bjerg

Oskar Maria Graf: Unruhe um einen Friedfertigen

Raymond Chandler

Derek Raymond: Ich war Dora Suarez

...wir entschuldigen uns für etwaige Nebengeräusche und Sendelöcher.

Am 28. August wird es weitergehen mit der Rückschau auf 25 Jahre "Freunde reden Tacheles". Bis dahin - stay tuned.

 

 

 

 

 

25 Jahre Freunde reden Tacheles

Im August 1995 trafen sich Matze, Christof und Martin zum ersten Mal zu einer Sendung rund um Comics und Bücher im Sendestudio von Radio freeFM in der Ulmer Platzgasse. Einen festen Namen hatten wir damals noch nicht. Irgendwann wurde daraus dann "Freunde reden Tacheles" und aus den drei Freunden zwei, da Matze andere Pläne hatte (weswegen es fortan deutlich weniger Comics in der Sendung gab). Auch irgendwann haben wir mal einen freeFM-Award bekommen, quasi Ehrenoscar. Und so senden wir immer wieder 14-tägig freitags von 20 bis 22 Uhr, sprechen über Bücher, stellen Verlage vor, Musik gibt es auch, klar. Am 31. Juli ist es nun soweit: wir präsentieren in unserer Jubiläumssendung zum 25-jährigen Bestehen von Sender und Sendung Bücher und Autoren/Autorinnen, die uns über die Jahrzehnte wichtig waren und sind, die wir besonders oder einzigartig finden etc. pp. (Und weil zwei Stunden für eine solche Archivmenge na klar nicht ausreichen, wird es wohl in den Folgesendungen noch einige Nachträge geben). 

50 Jahre Maro

Bücher gestapelt. Allesamt vom Maro-Verlag

Der Augsburger Maro Verlag feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Das war für Radio freeFM und die Redaktion Freunde reden Tacheles Anlass, den Verleger Benno Käsmayr zu einem Gespräch über seinen Verlag, die Bücher und Autoren, eben alles rund um den "Bukowski"-Verlag Maro einzuladen. Die Redakteure Christof Niedt und Martin Gaiser verfolgen die Arbeit bei Maro schon seit 25 Jahren und wollten nun aus erster Hand erfahren, wie alles entstanden ist und sich über ein halbes Jahrhundert verändert hat. Herausgekommen ist ein sehr entspanntes und persönliches, von vielen kuriosen Episoden und Überraschungen geprägtes Gespräch mit einem Verleger, der wie nur ganz wenige andere seiner Zunft unerschütterlich an seinen Idealen festgehalten und so einen ganz besonderen unabhängigen Verlag geführt hat und noch führt.

Freunde reden Tacheles vom 16. August 2019

Am Freitagabend war Benno Käsmayr bei uns zu Gast, der mittlerweile 71-jährige Gründer des Maro Verlages in Augsburg. Der Maro Verlag feiert in diesem Jahr sein sage und schreibe 50-jähriges Bestehen, Anlass für uns, den Verleger von Charles Bukowski, Jörg Fauser, Gilbert Sorrentino und unendlich vielen Anderen zu seinem Verlag, seiner Art zu arbeiten und vieles mehr zu befragen. Sehr wahrscheinlich ist Benno Käsmayr einer der letzten seiner Art, weswegen dieses Interview besonders Buchmenschen und Branchenkenner erfreuen dürfte.

Freunde reden Tacheles vom 4. Januar 2019

Hallo Bücherwürmer.

Wir hatten - nach der Sendung vom 21.12.2018 - noch den zweiten Teil unserer Best of-2018 im Programm, außerdem hat Christof zwei äußerst lesenswerte Bücher vorgestellt: "Dodgers" von Bill Beverly und "Slow Horses" von Mick Herron (beide bei Diogenes). Von mir gab es ein Hörbuch: den neuesten und laaaaange erwarteten Krimi um Kommissar Jea-Baptiste Adamsberg aus der Feder der unvergleichlichen Fred Vargas ("Der Zorn der Einsiedlerin", gelesen von Volker Lechtenbrink). Bei Interesse könnt Ihr unsere Sendung noch ein paar Tage lang nachhören. Viel Spaß!

Freunde reden Tacheles am 22. März 2013

Hallo zusammen. Die Leipziger Buchmesse ist vorbei, der Frühlingsanfang auch, trotzdem (oder gerade deshalb) gibt es noch Neues zu Büchern und Hörbüchern und natürlich Minusgrade und Schnee...-
Macht ein Lottogewinn von mehr als 18,7 Millionen glücklich oder eher nicht? In welche Kreise gerät ein junger britischer Anwalt, wenn er in Moskau große Unternehmen berät und attraktive junge Frauen kennenlernt? Was kann einem melancholischen Ingenieur passieren, wenn er in das verlassene Haus seiner Kindheit und Jugend in der Provinz zurückkehrt. Fragen über Fragen. Themen der Bücher, die heute Abend vorgestellt werden. Viel Spaß!

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Freitags 20.00 – 22.00 Uhr Nur gerade Wochen

Sendet seit

30. Juli 1995

Redaktion

Martin Gaiser
Christof Niedt

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