Das Leben ist zu kurz
für eintönige Musik.

Platte der Woche

Coverbild: 
KW 42 17.10 bis 23.10.22

Romeo Must Die

Artist: 
Gadaffi Gals
Erschienen: 
30.09.2022
Label: 
3-Headed Monster Posse

Am 30.09. erscheint nach drei Jahren endlich das neue Album des Kollektivs Gaddafi Gals. Drei Jahre, die das Trio gut genutzt hat: so erschien in der Zwischenzeit das Solo-Debüt I'm Good.The Crying Tape von Sängerin Nalan, das (neben der einen sprichwörtlich zum Weinen bringenden) erstmals eine leichtfüßigere Seite der Musikerin aufzeigt. Außerdem wurde das mittlerweile vierte Soloalbum Canê der Rapperin Ebow released, das ihren Status im (alternativen) Deutschrapkosmos wohl endgültig zementiert hat. Und auch der Dritte im Bunde, Produzent walter p99 arkestra, war nicht untätig, hat er doch den Großteil der beiden Platten produziert und auch mit anderen KünstlerInnen zusammengearbeitet. Kennengelernt haben sie sich übrigens in der Musikszene Münchens, auch wenn es nicht lange dauerte, bis sie alle in der Haupstadt landeten. Als Gaddafi Gals betraten die drei dann erstmals 2017 mit der Single Fila an die Öffentlichkeit und schafften es (unter der Überschrift „Drake Latest Obsessions“) direkt in die New York Times. Kurze Zeit später erschien die von Trip-Hop und UK Sound geprägte Debüt-EP The Death Of Papi.

Das erste Album TEMPLE kam zwei Jahre später und erweiterte die Soundpalette um Phonk-und Dirty South-Einflüsse, die die Platte härter klingen liesen, gleichzeitig aber auch einen avantgardistischen und mystischen Touch verpassten. Passenderweise stellten sie diese dann auch auf dem SXSW Festival 2019 in Austin, Texas erstmals vor. Dort ist offensichtlich auch das Video ihrer Single Hit On Me entstanden, das sie lässig auf den damals in Deutschland noch weitgehend unbekannten Scootern zeigt – wohl nicht ganz ohne ein Augenzwinkern. Im Herbst desselben Jahres folgte dann die Deutschlandtournee. Jetzt also der neue Langspieler. Die ersten Skizzen waren direkt im Anschluss an die Tour entstanden. So viel Zeit, sagen die Drei, haben sie noch nie im Studio verbracht, allein der Mixing-Prozess zog sich über mehrere, immer wieder von anderen Projekten unterbrochene Monate hin. Am Ende hat es sich gelohnt, man hört es den ausgefeilten Arrangements an. Da werden Synthakkorde, die nach Millenium und Timbaland klingen, von Vintage-Orgeln, Marimbas oder Streichearrangements abgelöst, und wenn es dann doch wieder ein bisschen
braggadocious wird, wie auf dem Opener Loop, schleicht sich ein Beat ein, der an UK Drill erinnert. Insgesamt klingt das Album deutlich poppiger als noch der Vorgänger. Cry Me A River von Justin Timberlake, Rihanna, Frank Ocean oder T.I. - What You Know nennen die Gaddafi Gals spontan, wenn man sie nach Inspirationen fragt. Produzent walter sagt, er habe bewusst auch ältere, als cheap verschrieene Synthesizer verwendet, um diesen Sound zu erreichen, und auch vor Autotune seien sie diesmal nicht zurückgeschreckt. Dazu ergänzen sich der Rnb-Gesang von Nalan und die melodischen Raps von Ebow unheimlich gut. Dass der Trunk immer noch zum shaken gebracht, versteht sich allerdings auch.

Dann wäre da noch der Name, der den eigentlich doch schon beseitigten Papi des Debüts wieder aufleben lässt – und sei es nur, um ihn abermals durch die Stadt zu jagen (wie es auf dem Song Chainsaw anklingt) und anschließend feierlich zu beerdigen. Die Giftampulle, die auf dem Cover zu sehen ist, lässt jedenfalls das Schlimmste vermuten ... Die Referenz auf den B-Movie Romeo Must Die mit Jet Li und Aaliyah macht jedenfalls schon
rein ästethisch Sinn. Im Titelsong verwursten die Drei dann aber auch Textzeilen aus Shakespeares Original und Baz Luhrmans' 1996er Filmadaption. „Diese Verbindung aus Barockem und Modernen hat uns gefallen, und wir wollten auch einfach eine große, dramatische Geschichte erzählen.“

Thematisch handeln diese Geschichten aber durchaus auch von erfreulichen Dingen. Mit Rendezvous liefern die drei Gals einen veritablen Sommerhit, und wenn es immer so smooth klingt, den Stinkefinger zu zeigen wie auf MDLFGRS, ist man wohl gerne am Start.

Tracklist: 
1Loop
2Romeo Must Die
3Bye Bye
4Late Nite Drive
5Slow Down
6Knockdown
7Rendevous
8Numb
9Tearz
10Chainsaw
11Mdlfgrs (Like That)
1221k
Tourdates: 
02.11.2022München, Milla
03.11.2022Hamburg, Nochtwache
04.11.2022Berlin, Maschinenhaus

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